Konservative Therapie bei Bandscheibenvorfall (ohne OP)

Beitrag von Gerd Ibele, Physiotherapeut und sektoraler Heilpraktiker

Verständnis für Bandscheibenvorfall und konservative Therapien

Bei einem Bandscheibenvorfall tritt Gewebe der Bandscheibe in den Raum des Rückenmarks oder der Nervenwurzeln und kann so zu starken, ausstrahlenden Schmerzen und weiteren Beschwerden führen.

Oft raten Ärzte direkt zu einer Operation, die aber viele Risiken mit sich bringt. 
Eine konservative Therapie hingegen zielt darauf ab, Symptome und Ursachen zu behandeln, ohne dass ein operativer Eingriff nötig ist.

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Medikamentöse Schmerztherapie beim Bandscheibenvorfall

Ein Bandscheibenvorfall kann akute und stechende Schmerzen verursachen, die Betroffene im Alltag und in der Mobilität einschränken. Die medikamentöse Schmerztherapie ist deshalb ein wichtiger Ansatz, um diese Schmerzen zu kontrollieren und die Lebensqualität zu verbessern.

Die primäre Aufgabe von Schmerzmedikamenten im Rahmen der konservativen Therapie ist die Schmerzlinderung. Sie sollen es Patienten ermöglichen, wieder aktiv am Leben teilzunehmen und physiotherapeutische Maßnahmen durchzuführen, die ohne Schmerzkontrolle oft nicht möglich wären.

Verschiedene Arten von Schmerzmedikamenten

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs): Sie wirken sowohl schmerzlindernd als auch entzündungshemmend und sind häufig die erste Wahl.
  • Muskelrelaxantien: Bei verkrampfter Muskulatur können muskelentspannende Medikamente helfen, muskuläre Spannungen zu lösen und somit die Schmerzen zu reduzieren.
  • Analgetika: Einfache Schmerzmittel wie Paracetamol können bei leichten bis mäßigen Schmerzen verabreicht werden.
  • Opioide: In Fällen von starken Schmerzen können unter strenger ärztlicher Kontrolle kurzfristig auch Opioide zum Einsatz kommen.
  • Kortikosteroide: Bei starken Entzündungsreaktionen kann eine kurzzeitige Einnahme von Kortikosteroiden sinnvoll sein.
Kniegelenk Gonarthrose

Kniegelenk (Gonarthrose)

Hüftgelenk

Hüftgelenk (Coxarthrose)

Daumensattelgelenk Rhizarthrose

Dauemnsattelgelenk (Rhizarthrose)

Schultergelenk Omarthrose

Schultergelenk (Omarthrose)

Nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden

Ein Bandscheibenvorfall kann verschiedene Ursachen haben. Die häufigsten haben wir nachfolgend aufgelistet:

Neben Medikamenten gibt es eine Vielzahl an nicht-medikamentösen Behandlungsansätzen. Dazu gehören Physiotherapie, manuelle Therapie, physikalische Therapien und Akupunktur. Diese Methoden helfen, die betroffene Bandscheibe zu entlasten und die Muskulatur zu stärken.

Bei der manuellen Therapie können unter anderem folgende Techniken zum Einsatz kommen:

  • Traktionsbehandlung: Mit dieser Methode soll Druck von der Wirbelsäule genommen und im Idealfall die betroffene Bandscheibe entlastet werden. Dies kann bei einigen Patienten eine sofortige Schmerzlinderung bewirken.
  • Gelenkmobilisation oder Manipulation: Bei diesem Ansatz werden Gelenke innerhalb ihrer natürlichen Bewegungsfähigkeit bewegt, um die Beweglichkeit zu verbessern und starke Schmerzen zu reduzieren.
  • Muskelenergietechniken (MET): Hierbei fordert der Therapeut den Patienten auf, gegen seinen Widerstand zu arbeiten. Dies kann dabei helfen, Muskelverspannungen zu lösen und die Beweglichkeit zu verbessern.
  • Triggerpunkt-Therapie: Durch die gezielte Manipulation bestimmter Punkte (Triggerpunkte) im Muskelgewebe können Schmerzen gelindert und verspannte Muskulatur gelöst werden.

Welche Technik zum Einsatz kommt, hängt immer vom Therapeuten und deiner Problematik ab. 

Physiotherapie und Bewegung – Kern der konservativen Therapie

Ein Kernstück der konservativen Behandlung ist die Physiotherapie. Durch gezielte Übungen werden die Rückenmuskulatur gestärkt, die Mobilität erhöht und die Bandscheiben entlastet. Ziel ist es, Schmerzen zu reduzieren und die Funktion des Rückens zu verbessern.

Dein Physiotherapeut wird dir dafür in der Regel geeignete Übungen mitgeben. Du kannst außerdem unsere Videos zu Rückenübungen für einen Bandscheibenvorfall anschauen und diese ganz bequem von zuhause aus durchführen.

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Wann ist eine Operation notwendig?

Obwohl wir hier in erster Linie von konservativen Methoden sprechen, ist es wichtig zu wissen, wann ein operativer Eingriff unausweichlich ist. Dein behandelnder Arzt wird eine Operation unter bestimmten Voraussetzungen in Betracht ziehen:

  • Die konservative Therapie bringt keine Besserung
  • Neurologische Ausfälle sind immer eine Indikation für eine operative Therapie

Prävention und Lebensstiländerungen

Auch präventive Maßnahmen und Lebensstiländerungen gehören zu den konservativen Verfahren bei einem Bandscheibenvorfall. Sie können dazu beitragen, einem erneuten Bandscheibenvorfall vorzubeugen oder ein Wiederauftreten verhindern. 

Zu den Maßnahmen gehören unter anderem:

  • regelmäßige Bewegung
  • Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion
  • umphysiologische Belastungen für den Rücken vermeiden
  • ergonomische Arbeitsplatzgestaltung
  • Stärkung der Rückenmuskulatur mit gezielten Übungen

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Zum Abschluss

Ein Bandscheibenvorfall kann eine schmerzhafte und einschränkende Erfahrung sein. Doch durch die enge Zusammenarbeit mit deinem Arzt und bei konsequenter konservativer Therapie bestehen gute Chancen, Beschwerden zu lindern und die Rückenfunktion wiederherzustellen – ohne operativen Eingriff.

Gezielte Übungen gegen einen Bandscheibenvorfall

Beweglichkeit

Übung 1 – Die Beckenschaukel: 

Ausgangsstellung: 

  • Du liegst auf dem Rücken, deine Beine sind angestellt
  • Deine Arme liegen locker neben dem Körper
  • Dein Becken macht eine Rollbewegung und kippt dabei vor und zurück

Durchführung:

  • Wenn dir die Bewegung am Anfang noch etwas schwer fällt, lege als Hilfestellung deine Hände seitlich ans Becken
  • Versuche die Übung weich und fließend auszuführen
bandscheibenvorfall vorbeugen besckenschaukel

Übung 2. – Der Spitzenschieber: 

Ausgangsposition:

  • Liege auf dem Bauch.

Durchführung:

  • Hebe deine Arme nach oben und lege die Hände unter deine Stirn.
  • Bewege deine Fußspitzen abwechselnd nach unten heraus.

Hinweis:

  • Versuche, während der gesamten Übung ein gleichmäßiges Tempo beizubehalten.
  • Führe die Bewegung weich und fließend aus.
bandscheibenvorfall vorbeugen spitzenschieber

Kräftigung

Übung 1 – Der Armheber:

Vorbereitung:

  • Bereite ein kleines Gewicht zwischen einem halben und einem Kilo vor, wie eine Hantel oder eine Flasche.

Ausgangsposition:

  • Liege auf dem Rücken.
  • Stelle deine Beine angewinkelt auf und ziehe die Fußspitzen nach oben.

Durchführung:

  • Halte das Gewicht in beiden Händen und strecke die Arme mit dem Gewicht zur Decke.
  • Deine Lendenwirbelsäule bleibt in Kontakt mit dem Boden.
  • Führe das Gewicht langsam mit beiden Armen nach hinten, bis es fast den Boden berührt.
  • Kehre dann zurück in die Ausgangsposition.

Hinweis:

  • Atme während der gesamten Übung ruhig weiter.
  • Achte darauf, dass deine Lendenwirbelsäule den Kontakt zum Boden nicht verliert.
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Übung 2 – Der Skispringer:

Ausgangsposition:

  • Auf dem Bauch liegend, Handinnenflächen berühren den Boden

Durchführung:

  1. Nimm die Schulterblätter zusammen und hebe den Kopf leicht ab, wobei deine Nase knapp über dem Boden schwebt.
  2. Hebe die Arme leicht ab.

Hinweis:

  • Halte diese Position und die Spannung für zehn Sekunden.
  • Wiederhole die Übung mehrmals, jeweils für zehn Sekunden.
  • Achte darauf, dass die Schulterblätter zusammenbleiben und die Nase knapp über dem Boden bleibt.
  • Atme ruhig weiter während der Übung.
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Dehnung

Übung 1 – Dehnung Latissimus am Tisch:

Ausgangsposition:

  • Stelle dich vor einen Tisch und lege deine Unterarme darauf.
  • Die Daumen zeigen zur Decke.

Durchführung:

  1. Gehe zwei Schritte zurück und bringe dein Gesäß so weit nach hinten, bis deine Wirbelsäule in eine maximale Streckstellung kommt.
  2. Beuge, wenn nötig, deine Knie.

Hinweis:

  • Halte die Dehnung für 60 Sekunden.
  • Wiederhole die Übung erneut für eine Minute.
  • Atme ruhig weiter und halte die Spannung.
 
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Übung 2 – Dehnung Hüftbeuger im Kniestand:

Ausgangsposition:

  • Sitze mit gestreckten Beinen auf dem Boden.

Durchführung:

  1. Gehe mit deinen Händen nach vorne und umfasse deine Waden.
  2. Versuche, deine Fußspitzen zu umfassen, wenn möglich.
  3. Bleibe in dieser Position, falls das nicht möglich ist.

Hinweis:

  • Spüre eine deutliche Dehnung deines Rückens und deiner Beinrückseiten.
  • Halte diese Spannung für eine Minute.
  • Wiederhole die Übung erneut für eine Minute.
  • Atme ruhig weiter und halte die Spannung.
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Gesunde Ernährung zur Vorbeugung von Bandscheibenvorfällen

Um einen Bandscheibenvorfall vorzubeugen, ist es wichtig, dass du auf eine ausgewogene Ernährung achtest. Bestimmte Nährstoffe können dazu beitragen, die Gesundheit deiner Bandscheiben zu unterstützen und das Risiko von Problemen wie einem Bandscheibenvorfall zu minimieren. Hier sind einige essenzielle Nährstoffe, die du in deine Ernährung integrieren solltest:

  1. Omega-3-Fettsäuren: Achte darauf, ausreichend Omega-3-Fettsäuren zu dir zu nehmen, die hauptsächlich in Fischöl, Leinsamen und Walnüssen enthalten sind. Diese Fettsäuren haben entzündungshemmende Eigenschaften, die dazu beitragen können, die Belastung deiner Bandscheiben zu reduzieren.

  2. Vitamine D und K: Sorge dafür, dass du genügend Vitamin D durch Lebensmittel wie fetten Fisch, Eier und grünes Blattgemüse aufnimmst. Vitamin K ist ebenfalls wichtig und findet sich in grünem Gemüse. Diese Vitamine unterstützen die Gesundheit deiner Knochen und damit auch deiner Bandscheiben.

  3. Calcium: Achte auf eine ausreichende Calciumzufuhr, um die strukturelle Integrität deiner Bandscheiben zu erhalten. Milchprodukte, grünes Gemüse und Mandeln sind gute Calciumquellen.

  4. Magnesium: Integriere Lebensmittel wie Nüsse, Vollkornprodukte und grünes Gemüse in deine Ernährung, um genügend Magnesium aufzunehmen. Magnesium unterstützt die Muskelentspannung und trägt zur Stabilität des Bewegungsapparats bei.

  5. Antioxidantien: Achte darauf, ausreichend Obst und Gemüse zu essen, da sie reich an Antioxidantien sind. Diese schützen deine Zellen vor Schäden durch freie Radikale und tragen zur Widerstandsfähigkeit deiner Bandscheiben bei.

  6. Wasser: Vergiss nicht, ausreichend Wasser zu trinken. Eine gute Hydratation ist entscheidend, um deine Bandscheiben mit ausreichend Feuchtigkeit zu versorgen und ihre Stoßdämpferfunktion zu unterstützen.

Durch die Berücksichtigung dieser Nährstoffe in deiner täglichen Ernährung kannst du positiv auf die Gesundheit deiner Bandscheiben einwirken und das Risiko von Bandscheibenvorfällen verringern. Denk daran, eine vielfältige und ausgewogene Ernährung beizubehalten, und konsultiere bei Bedarf auch einen Ernährungsexperten.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Konservative Therapie bei Bandscheibenvorfall

Konservative Therapie umfasst nicht-operative Behandlungsmethoden wie Physiotherapie, Schmerztherapie und medikamentöse Behandlungen. Sie sollen die durch den Bandscheibenvorfall verursachten Schmerzen und Beschwerden lindern und die Heilung unterstützen.

Die Dauer bis zum Einsetzen der Wirkung kann individuell stark variieren. Einige Patienten verspüren eine Verbesserung innerhalb weniger Tage, bei anderen kann es mehrere Wochen bis Monate dauern.

Häufig verschreibt der Arzt schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente sowie Muskelrelaxantien als Teil der medikamentösen Schmerztherapie.

Ja, moderates Bewegungstraining unter Anleitung kann helfen, die Muskulatur zu stärken und die Heilung zu fördern. Allerdings sollte dies immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt geschehen.

Oftmals ja. Viele Patienten erfahren durch die konservative Behandlung eine vollständige Genesung. In einigen Fällen können jedoch Symptome fortbestehen – dann kann eine operative Therapie notwendig werden.

Wenn konservative Therapien keine Besserung erzielen, kann der Arzt weitere diagnostische Untersuchungen empfehlen und letztlich eine operative Therapie in Betracht ziehen.

Häufigkeit und Intensität der Übungen sollten individuell angepasst sein. Dein Physiotherapeut oder Arzt wird dir einen Übungsplan basierend auf deinem Zustand und Fortschritt erstellen.

Konservative Therapien sind im Allgemeinen sicher, aber es kann zu einer verzögerten Diagnose und Behandlung von ernsteren Erkrankungen kommen, wenn die Maßnahmen nicht wirken.

Dies hängt von den Schmerzen und Empfehlungen deines Arztes ab. Einige Aktivitäten können angepasst oder vorübergehend eingeschränkt werden, um die beschädigte Bandscheibe nicht weiter zu belasten.

Langfristige Maßnahmen wie regelmäßige Rückenübungen, schweres Heben vermeiden, eine ergonomische Arbeitsumgebung und eine allgemein rückenfreundliche Lebensweise können dabei helfen, zukünftige Vorfälle zu verhindern.
Hier findest du einige Übungen, um einen Bandscheibenvorfall vorzubeugen.

Gerd Ibele

Physiotherapeut und sektoraler Heilpraktiker

Gerd ist bei OPT zuständig für Inhalte wie Videos und Artikel. Als Physiotherapeut arbeitet er seit über 20 Jahren in seiner eigenen Praxis. Seine Behandlungsschwerpunkte liegen überwiegend im orthopädischen und chirurgischen Bereich.

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